Machen Spoiler eine Story wirklich schlechter?

Spoilern wir uns nicht alle manchmal selbst? Wir lesen den letzten Satz eines Buches, googlen wer als nächstes in der Serie stirbt und forschen nach, was der Plottwist am Ende eines Films verbirgt. Oder bist Du eher wie Ted aus How I Met Your Mother, der absolut nicht gespoilert werden will?

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(Um das Ergebnis des Super Bowls nicht zu erfahren, geht Ted mit einer die Sicht einschränkenden Brille und Pferdeklappen aus dem Haus.)

Vielen nimmt die Furcht vor dem großen Spoiler beim surfen die Leichtigkeit. Man traut sich kaum die Augen ganz zu öffnen, um nicht das Erlebnis vorweggenommen zu bekommen. Da scrollt man nichtsahnend durch Facebook und plötzlich. Da. Der Lieblingsschauspieler postet selbst, dass er in der nächsten Folge stirbt. Wie kann er nur? Entfolgen.

Überall lauern die kleinen Hinweise und Aussagen, die die Handlung verraten und die Überraschung nehmen. Man kann sie kaum umgehen. Auf Twitter lassen Freunde ihre Trauer über den zuletzt bei Game of Thrones verstorbenen Charakter aus. Bei Instagram posten Seiten witzige, aber alles zerstörende Memes über das neuste Handlungsdetail. Per WhatsApp meldet sich dann der Gruppen Chat und analysiert noch während die Folge läuft jedes Detail. Auch Webseiten, die eigentlich nichts mit dem Thema zu tun haben, nehmen Teil am Spoiler Alarm und nehmen uns die Entdeckungsfreude.

Wir sind uns also alle einig: Spoiler müssen nicht sein. Und jetzt kommt die unmögliche Behauptung: Spoiler müssen nicht zwingen schlecht sein. Nein. Sie machen das Erlebnis sogar besser. Wer jetzt ein BAZINGA erwartet, hat sich geschnitten. Es wurde in einem Experiment festgestellt, dass man sich mit dem Vorwissen besser auf die Geschichte konzentrieren kann und Details entdeckt, auf die man sich sonst nicht hätte fokussieren können. Ein Spoiler ist laut den Forschern bloß ein Fakt, der die Geschichte nicht zerstören kann. Den Weg zum Ende des Films bestreiten wir dennoch in allen Einzelteilen und können jedes Detail aufmerksam wahrnehmen.

Spoiler Polizei

Oft sind unter den verräterischen Spoilern fürchterliche Hass-Nachrichten. Doch Spoiler sind in Wirklichkeit echt nicht so schlimm, wie es die verärgerten Kommentatoren darstellen. Wie ich darauf komme? Natürlich durch einen Spoiler. Mit Jahren Verspätung habe ich die Game Of Thrones Staffeln angefangen zu schauen. Unschuldig scrollte ich durch Instagram und sah folgendes Meme:

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Zuerst ein Schock, denn Drogo lässt das Frauenherz doch etwas höher schlagen. Und zu wissen, dass er dann nicht mehr dabei sein wird, war ein kleiner Schlag ins Gesicht. Aber so konnte ich schon Mal langsam Abschied von Drogo nehmen und seine letzten Atemzüge richtig genießen. Ich musste nicht mehr bangen, ob er es jetzt überleben wird oder nicht.  Trotz des Wissens, dass der Lieblingscharakter stirbt, saugte ich Folge für Folge auf. Tschüss Drogo. Natürlich war das „nur“ der Tod eines Charakters in einer ellenlangen Serie, in der in jeder Folge etwas Spannendes passiert und der Tod von Drogo wurde schnell abgetan. Das Leben geht weiter. Aber irgendwie macht es doch einen Unterschied, ob ein Charakter nach einer langen dramatischen Szene stirbt oder ob man es beim rumsurfen durch Facebook erfährt. Geschichten werden doch konsumiert um emotional mitgenommen zu werden und nicht nur um Fakten zu bekommen.

 

Wo ist die Grenze?

Zeit

Aber, wo wollen wir beim spoilern eine Grenze ziehen? Das ist eigentlich nicht möglich. Die aktuellen Geschehnisse aus Westeros sollten nicht tagtäglich veröffentlich werden. Aber wenn man einem Handlungsdetail begegnet, sollte man diesen Spoiler locker sehen. Denn ab wann darf man ohne Angst einen Spoiler zu verbreiten etwas veröffentlichen? Nie! Es kommt für manche Menschen immer zu Spoilern. Manche Sendungen sind uralt, aber werden erst jetzt angesehen. Ich konnte auch nicht böse sein auf den Poster des Memes von GoT. Die Sendung ist immerhin schon mehrere Jahre alt und die meisten werden sie bereits gesehen haben. Vor allem stirbt Drogo ziemlich am Anfang. Seien wir also nachsichtig wenn wir Spoilern begegnen und machen wir deren Veröffentlicher nicht fertig! Man sollte immer auf die Zeit achten, in der die Serie, der Film, oder was auch immer entstand und wann man es sich tatsächlich ansieht. Übrigens: Eddark Stark stirbt.

Relevanz

Nicht nur die Zeit spielt eine Rolle. Auch die persönliche Relevanz. Mir ist es zum Beispiel schnurz egal, was über Big Bang Theory gespoilert wird. Ich sehe die Sendung gerne, aber ob ich weiß dass Sheldon und Amy Sex haben werden oder nicht, macht es für mich nicht weniger unterhaltsam.

Aber bei zum Beispiel The Walking Dead will ich gerne unwissend das Erlebnis genießen und selbst herausfinden, was passiert. Spoiler, über Themen, die einen sehr interessieren können einem schon den Spaß nehmen. Egal was die Forscher sagen. Das Überraschungsmoment kommt durch Spoiler abhanden. Wir looter wissen wie es ist, wenn wir vor den auspacken der Box schon wissen, was drin ist.

Mentalität

Beim Spoiler kommt es zudem auch auf die Mentalität an. Was definiert man als Spoiler? Springt ihr schon durch die Decke, wenn ihr den Namen eines neu eingeführten Charakters erfahrt? Oder seid ihr da unempfindlicher? Wenn man unbedingt unwissend in einen Film gehen will, dann wird man sauer über einen Spoiler, aber wenn einem egal ist, das Ende zu kennen, kann man dasGanze entspannter betrachten. Vielleicht ist es auch Gewöhnungssache. Auf jeden Fall wird das Leben und surfen entspannter, wenn einem Spoiler nicht mehr so viel ausmachen.

Eins ist sicher

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Aber was Serien, Filme, Bücher oder Spiele betrifft, warten wir doch alle nur auf einen Wendepunkt. Wir wissen doch immer, dass ein Twist stattfinden wird. Ein Wendepunkt ist ein Hauptbestandteil jeder Geschichte. Krasse Überraschungen gibt es in fast jedem Werk. Zwar weiß man manchmal nicht genau, wie diese aussehen wird. Aber eins ist sicher: es kommt was. Man wartet ja nur auf den Punkt, der einen aus den Socken haut! In Filmen mit diesem „Mindfuck“ Moment entzieht das Wissen über den exakten Moment die Grundlage. Aber ein James Bond Kultfilm kann nicht kaputt gemacht werden, wenn man mehr über die Story weiß. In manchen Werken ist der Weg das Ziel, hier machen Spoiler weniger aus. Aber, wenn das Ziel wirklich das Ziel ist, können Spoiler zum Problem werden. Man wartet praktisch nur auf den Moment, der einem verraten wurde.

Ein Genre, Serie oder Regisseur bringen immer einen bestimmten Spoiler mit. In Exorzismus-Horror-Filmen wird der Dämon überwältigt. In Game of Thrones lebt ein Charakter ab. In The Big Bang Theory passiert irgendetwas witziges, was keinen Einfluss auf das Grundgerüst der Serie nimmt.

Kommen wir nun zur Kernfrage:

Sind Spoiler denn jetzt gut oder schlecht?

Gut oder schlecht? Mittel. Trotz des Experiments, dass Spoiler gut sein sollen, kann ich dem nicht ganz zustimmen. Sie sind aber auf jeden Fall nicht so schlecht, wie im Internet gerne kommentiert wird. Also reißen wir uns doch alle etwas zusammen, wenn wir den nächsten, unausweichlichen Spoiler entdecken, und denken daran zurück, dass es auch gut sein kann. Wer dennoch in ständiger Angst um den Spoiler lebt, sollte das Internet wohl meiden, denn ohne geht’s oft nicht. Das soll nicht heißen, dass wir jetzt jedes Mal den Inhalt der kommenden lootchest preisgeben. Hier bleiben wir uns treu und setzen alles auf das Überraschungsmoment! Den wollen wir euch nicht nehmen. Schließlich wollen wir für euch die Mitte jeden Monats zu einem kleinen Weihnachtsfest machen.

Aber bei Posts zu Serien, Filmen und Games ist es schwer, vorher jeden zu fragen, bei welcher Folge er gerade ist, und ob es schon gesehen wurde. Nehmt ein bisschen Rücksicht auf die Spoiler Kandidaten!

Zudem sollte ein guter Film auch mit Spoilern noch genießbar sein, denn wenn ein Film wirklich gut ist, dann kann man ihn auch 2, 3 Mal anschauen. Und man weiß bei jedem weiteren Ansehen ja schon ganz genau was passiert, aber hat dennoch Spaß daran. Ein Film oder sonstiges sollte also auch Spaß machen und nicht zerstört werden, wenn gespoilert wird. Die Story sollte super bleiben und auch nach hundert Malen noch interessant bleiben. Auch wenn das Erste Mal immer etwas Besonderes ist…

 

 

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